Ursprung des Zen

Ursprünge

Im 2. Jahrhundert der christlichen Zeitrechnung begannen die ersten größeren buddhistischen Gemeinschaften in China zu entstehen. Im Laufe der Jahrhunderte wurden aus den Bruchstückchen der Überlieferungen des Buddhismus aus Indien und Zentralasien ein Strom von Informationen, der sich parallel zu Eroberungszügen und zum Ausbau der Handelsrouten zwischen China und dem Rest von Asien entwickelte.

Einige berühmte chinesische Mönche wie Faxian 法顯 (ca. 337 bis 422) oder Xuan Zang 玄奘 (600-640) verbrachten lange Jahre in Indien und brachten einen Schatz an buddhistischer Literatur und an praktischem spirituellem Wissen zurück nach China. Gleichzeitig waren auch immer mehr Mönche aus den Ländern zu Gast in China, in denen sich der Buddhismus schon wesentlich früher verbreitet hatte. Berühmte und große vom Kaiser oder von reichen Beamten gesponserte Übersetzungsprojekte schufen eine nicht mehr überschaubare Fülle von chinesischen buddhistischen Texten. Angesichts der Flut der Informationen begannen sich Spezialisierungen im Ritual, der Einhaltung der Regeln oder der Textauslegung in verschiedenen Tempeln heraus zu bilden.

Der buddhistische Orden insgesamt, aber auch die einzelnen Tempel, wurden immer mächtiger und reicher. Schließlich eskalierten mehrfach die Konflikte zwischen dem buddhistischen Orden und dem chinesischen Staat, wobei es zu gigantischen Kampagnen gegen die Macht der Klöster und den buddhistischen Klerus kam. Durch den dadurch entstandenen Machtverlust der buddhistischen Kirchen hatten die buddhistischen Strömungen, die am wenigsten an die Klöster gebunden waren, am wenigsten verloren und bildeten dann im Laufe der Song-Dynastie (960-1279) das Rückrat des wiedererstarkten Buddhismus in China. Es handelte sich vornehmlich um die Meditations-Schulen, die Chan-Schulen. Das Wort Chan 禅 (jap.: Zen) stammt von der chinesischen phonetischen Übersetzung des indischen Wortes Dhyana: 禅那 Chan´na.

Die im 12. Jahrhundert als Gelehrtenmönche nach China gekommenen japanischen Mönche entdeckten den Chan-Buddhismus bzw. Zen-Buddhismus als die übermächtige buddhistische Strömung in China. Die in den vorhergehenden Jahrhunderten aus China nach Japan importierten Schulen waren kaum noch zu entdecken.